Das meint das Preisgericht
 

Die Projektverantwortlichen schlagen vor, den Erweiterungsbau auszudrehen und damit die Ausrichtung der angrenzenden Wohnbauten und des Gymnasiums aufzunehmen. Durch diese einfache Strategie entsteht ein städtebaulicher Bezug zum Gymnasium. Zugleich ergibt sich eine gute räumliche Verflechtung mit den Aussenräumen der Nachbarschaft und eine klare Zugangssituation. Durch das Absenken der Halle und das ablesbare Bestreben, ihre Höhe zu beschränken, wird eine gute Integration des grossen Gebäudes im Kontext der Wohnbauten angestrebt. Der neue Baukörper hat flächenmässig einen sehr grossen «Fussabdruck », was zu Lasten der Umgebungsflächen geht. Trotz seiner Grösse ist er aber so geschickt gesetzt, dass für die Nachbarschaft kaum Beeinträchtigungen entstehen. 

Durch die Rotation wird ein interessanter Vorplatz aufgespannt, an dem gut ersichtlich der Hauptzugang liegt. Dieser wird auf die bestehende Sporthalle ausgerichtet und erscheint damit gleichwertig mit deren Zugang. Die Veloabstellplätze sind auf dem grosszügigen Vorplatz direkt neben dem Hauptzugang sinnvoll platziert. Dies trifft hingegen auf die vielen weiteren Abstellmöglichkeiten nördlich der Sporthalle weniger zu. Weiter finden sich auf dem Vorplatz ein Sitzelement sowie IV-Parkplätze. Leider fehlen schattenspendende Bäume, wodurch sich die grosse Belagsfläche im Sommer stark erhitzen würde. In den entstehenden Resträumen zur Parzellengrenze werden die zusätzlich im Aussenraum verlangten Nutzungen angeordnet. Das Beachvolleyball-Feld liegt auf der Rückseite der Sporthalle zum Bahndamm. Die Parkplätze sind sehr prominent vor und auch hinter der Halle angeordnet und besetzen nahezu den gesamten zentralen Aussenbereich. Sie erscheinen alle funktional, die Zufahrten jedoch teilweise eng und verwinkelt.

 

Die Materialisierung der Belagsflächen ist etwas unklar. So wird der zentrale Platz im Text als Asphaltfläche beschrieben, in der Visualisierung jedoch als Betonpflaster gezeigt. Sickerfähige Beläge werden nur punktuell eingesetzt, wodurch sehr viel Meteorwasser gefasst und abgeleitet werden müsste. Der Grünflächenanteil ist sehr gering, was sowohl ökologisch wie auch (klein-)klimatisch negativ zu beurteilen ist. Angaben zu den Arten der Neupflanzungen und Ansaaten werden nicht gemacht.

 

Die Erschliessung des Neubaus erfolgt vom Haupteingang entlang einer zentralen Achse, die Nutzräume werden zweiseitig angeordnet und sind nach Aussen und zur Halle ausgerichtet. Die Belichtung der Räume in der Innenschicht wird als ungenügend beurteilt. Die Nutzungen Bildnerisches Gestalten und Sport werden nebeneinander angeordnet und horizontal getrennt. Es entsteht ein von aussen durch die feine Inszenierung einsehbares Schulhaus mit den Unterrichtsräumen und dem Gebäudeteil der Sporthalle.

 

Beide Nutzungen (Sport und Schule) werden durch separate, schmale Treppen unabhängig der Öffnungszeiten aus der Erschliessungszone erreicht. Im Untergeschoss befinden sich die funktional gestaltete Doppelsporthalle, die Garderoben und die Technikräume. Der Kraftraum ist betrieblich optimal direkt angrenzend an die Halle im Untergeschoss angeordnet. Die Sporthalle verfügt zusätzlich zur Befensterung in der Fassade über Oberlichter und weist eine ruhige Innenraumstimmung mit ausreichender natürlicher Belichtung auf. Die Anordnung von einzelnen Punktoblichtern führt allerdings zu einer ungleichmässigen Belichtung der Halle und ist für den Sportbetrieb unvorteilhaft.

Im Erdgeschoss liegen die ergänzenden Nutzungen der Sporthalle mit Sichtbezug zur Halle, und an der Aussenfassade befinden sich die Werkstätten sowie der Aussengeräteraum. Im ersten Obergeschoss sind die Ateliers untergebracht. Von der innenliegenden Raumschicht bieten sich gezielte Blicke in die Sporthalle, welche betrieblich nicht erwünscht sind. Die Belichtung dieser Räume ist ungenügend. Der verlangte Ausstellungsbereich wird in der ausgeweiteten Erschliessungszone angeordnet. Die geplante Raumstruktur ermöglicht die gewünschte Flexibilität in der Anordnung von Atelier und Unterrichtsräumen.

Abgesehen von der Bodenplatte und den erdberührten Aussenwänden des Untergeschosses wird die Struktur des Gebäudes komplett in Holz geplant. Die Sporthalle wird von sechs in Längsrichtung laufenden Fachwerken unter den kleinen Dachfirsten überspannt. Wechselseitig angeordnete Shedaufbauten belichten die Sporthallen und die Schulräume zenital und verweisen in ihrer äusseren Erscheinung auf das Wohnumfeld. Über den Schulräumen reduziert sich das Tragwerk entsprechend den reduzierten Spannweiten. Die Dachkonstruktion wird als aufwendig beurteilt, im Bereich der Dachkehlen ist die Statik des Daches nicht gelöst. Die aussen auf allen Seiten haushoch und vertikal angeordneten Holzlamellen erzeugen ein einheitliches, umlaufendes Erscheinungsbild des Gebäudes. Je nach Ausrichtung werden die Felder verglast oder mit geschlossenen Wandelementen ausgeführt. Dieses Prinzip ermöglicht es, den Glasanteil auf die jeweilige Ausrichtung, Nutzung und die individuellen Tageslichtbedürfnisse präzis abzustimmen. Die Holzlamellen vor den Gläsern werden allerdings wegen des Schattenspiels in der Sporthalle und im Hinblick auf die Reinigung als ungeeignet beurteilt.

 

Die Anforderungen des Minergie-P-Standards, der Systemtrennung, die Vorgaben von Ökologie und Nachhaltigkeit sind im Projektvorschlag ausreichend abgebildet und beschrieben. Die Haustechnik ist nach den Prinzipien der Systemtrennung konsequent geplant und offen installiert. Auf dem Dach des Gebäudes ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Die Brandschutz-, Fluchtweg- und die bauphysikalischen Anforderungen sind nachvollziehbar geplant.

 

Die klare ortsbauliche Konzeption und die in Teilbereichen angemessene architektonische Ausgestaltung des Projekts überzeugen. Das gewählte Situationskonzept erzeugt allerdings nur kleine, ungenügend nutzbare Restflächen im Aussenraum.

 

Ein klares Gestaltungskonzept der Aussenräume und eine nutzergerechte Umgebungsplanung entsprechend der Aufgabenstellung werden vermisst. Ebenso fehlt eine schlüssige Parkierungslösung: Die Doppelnutzung der zentralen Zonen als Aufenthaltsbereich, wie dies in der romantisierend wirkenden Visualisierung dargestellt wird, ist leider nur bei der Sperrung der Parkplätze ein realistisches Szenario.


Disclaimer
 

Sämtliche Texte, Visualisierungen, Pläne und Schemas sind Bestandteil des Originalprojekts und bilden die Meinung des Verfasserteams ab.
 


Verfasserteam
 

Architektur

wulf architekten gmbh, Stuttgart
 

Landschaftsarchitektur
Jacob Planung, Basel
 

Holz- / Bauingenieur

holzprojekt ingenieure + planer, Basel


Gebäudetechnik HLKKS, E und Gebäudeautomation
Amstein + Walthert Basel AG, Basel
 

Link zum Projekt

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